Diskriminierung und sexuelle Orientierungen

Sexualität ist vielfältig – auch in Sachen sexuelle Orientierung. Doch auch wenn das vielleicht selbstverständlich klingt, ist es in manchen Bereichen leider immer noch nicht akzeptiert, dass Frauen (auch) mit Frauen und Männer (auch) mit Männern flirten, zusammen sind und Sex haben. Deshalb braucht es nach wie vor großes Engagement und Zusammenhalt – ganz egal, auf welches Geschlecht oder auf welche Geschlechter du selbst stehst.

Ein Mann sitzt nachdenklich am Bettrand.

Wie ist die Situation in Deutschland?

Bei uns gibt es Gesetze, die Schwule, Lesben und Bisexuelle vor Diskriminierung schützen. Zum Beispiel das »Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz« (AGG), das in Deutschland seit 2006 in Kraft ist und Benachteiligung aufgrund von Herkunft, Religion, Geschlecht oder auch aufgrund der sexuellen Orientierung verbietet.

Doch auch wenn es bei uns einen umfassenden rechtlichen Schutz vor Diskriminierung und Gewalt gibt – rund die Hälfte der homo- und bisexuellen Menschen in Deutschland geben an, sich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert zu fühlen. Untersuchungen zeigen, dass homo- und bisexuellen Menschen auch in Deutschland Opfer von Straftaten aufgrund ihrer sexuellen Orientierung werden. Allein über 250 dieser Straftaten wurden im Jahr 2016 angezeigt. Und dabei ist die Dunkelziffer, also die Zahl der Verbrechen, die nicht angezeigt wurden, wahrscheinlich deutlich höher.

Der Christopher-Street-Day

Vielleicht kennst du sie auch – die Paraden zum Christopher-Street-Day. Seit den 1970er Jahren wird bei diesen für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und anderen sexuellen Minderheiten demonstriert und das bisher Erreichte gefeiert. In vielen größeren Städten in Deutschland finden in den Sommermonaten dazu Straßenfeste und Umzüge, Veranstaltungen und Bühnenshows statt. Sie richten sich an alle Menschen, egal welche sexuelle Orientierung man selbst hat.

In Sachen Einstellungen ist Deutschland vergleichsweise offen. Nur noch rund 10 Prozent der Bevölkerung sehen Homosexualität etwa als unmoralisch an. Allerdings empfindet es über ein Viertel der Bevölkerung als unangenehm, wenn ein lesbisches Paar in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten austauscht, bei einem schwulen Paar ist es sogar über ein Drittel. Zum Vergleich: Nur 10 Prozent finden das bei einem heterosexuellen Paar unangenehm.

Dennoch: Deutschland gehört zu einem der tolerantesten Länder. Und jeder von uns kann dazu etwas beitragen, indem man Vorurteile hinterfragt, sich informiert und sich auch im Alltag solidarisch zeigt.

Und wie ist es weltweit?

Weltweit werden Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung benachteiligt, diskriminiert und sogar verfolgt - von bürokratischen Hindernissen über Ablehnung im Alltag bis hin zu gewaltsamen Übergriffen. In über 70 Ländern gibt es Gesetze, die sich gegen homo- und bisexuelle Menschen richten. Und in 7 Länder kann man aufgrund seiner sexuellen Orientierung sogar zum Tode verurteilt werden.

Frau sitzt abgegrenzt von einer Gruppe auf einer Parkbank.

Neben der rechtlichen Situation spielen oft auch gesellschaftliche Vorstellungen eine Rolle: In machen Länder gibt es zum Beispiel keine Gesetze, die Homo- oder Bisexualität verbieten, dennoch ist das Thema tabuisiert und wird gesellschaftlich geächtet. Homo- und bisexuelle Menschen können daher oft nicht in der Öffentlichkeit zu ihrer sexuellen Orientierung stehen und erfahren von ihren Mitmenschen meist Ablehnung.

Doch auch wenn das vielleicht erschreckend klingt - es gibt auch gute Nachrichten: Die Zahl der Verurteilungen aufgrund von Homo- oder Bisexualität ist weltweit zurückgegangen. Und immer mehr Länder gestatten es, dass homosexuelle Paare ihrer Beziehung einen festen rechtlichen Rahmen geben, etwa in Form von Lebenspartnerschaften oder Ehen. Manche Länder setzen sich sogar aktiv dafür ein, dass in anderen Ländern die Rechte von Homo- und Bisexuellen gestärkt werden.

Vorher kommen eigentlich die Zahlen?

Es gibt verschiedene staatliche und überstaatliche Institutionen, die Einstellungen rund um das Thema sexuelle Orientierung in repräsentativen Umfragen und in Statistiken erfassen, etwa die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) oder die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA). Die International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA) veröffentlicht regelmäßig Übersichten zur rechtlichen Situation in verschiedenen Ländern.


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