Warum ist die HIV-PrEP wichtig?
Modellierungen des Robert Koch-Instituts haben gezeigt, dass seit dem Jahr 2022 die Anzahl von HIV-Neuinfektionen wieder zunimmt. Als Grund dafür wird diskutiert, dass wichtige Schlüsselgruppen die PrEP nicht kennen oder sie nicht ohne Hürden nutzen können.
Welche Rolle hat hierbei der ÖGD?
Zu den Aufgaben des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) gehört es, übertragbare Krankheiten zu verhindern und Infektionen frühzeitig zu erkennen. Zu diesem Zweck stellt der ÖGD Beratungs- und Testangebote zu HIV und anderen sexuell übertragenen Infektionen (STI) bereit und behandelt im Einzelfall. Dies wird in der Regel in STI-Beratungsstellen des ÖGD umgesetzt. Diese stellen ein wichtiges Angebot dar für die gesundheitliche Versorgung bestimmter Bevölkerungsgruppen, insbesondere intersektional vulnerabler Gruppen, die häufig als schwer erreichbar gelten – hierunter befinden sich auch die genannten PrEP-Schlüsselgruppen. Zudem bietet sich der ÖGD für die Versorgung von mobilen Personengruppen an. Der ÖGD kann somit einen wichtigen Beitrag zur Bereitstellung der HIV-PrEP leisten.
Gesetzliche Grundlagen für den Auftrag, die HIV-PrEP in ÖGD-Angeboten zu implementieren
Unter anderem bilden das Infektionsschutzgesetz (IfSG) sowie die ÖGD-Gesetze der verschiedenen Bundesländer hierzu die gesetzliche Grundlage. Aus sämtlichen Gesundheitsdienstgesetzen ergibt sich ein gemeinsamer gesetzlicher Auftrag:
- Prävention übertragbarer Krankheiten
- Gesundheitsförderung
- Beratung
- niedrigschwellige Versorgung
- Erreichen vulnerabler Bevölkerungsgruppen
- gesundheitliche Chancengleichheit
Die HIV-PrEP erfüllt alle diese Zielsetzungen.
Weder das Infektionsschutzgesetz noch die Landesgesundheitsdienstgesetze nennen die HIV-PrEP ausdrücklich. Die Gesetze formulieren bewusst einen offenen Präventionsauftrag. Die HIV-PrEP ist heute wissenschaftlicher Standard der Primärprävention gegen HIV und dient unmittelbar der Verhütung einer übertragbaren Krankheit. Ihre Implementierung im ÖGD stellt daher keine Erweiterung des gesetzlichen Auftrags dar, sondern dessen zeitgemäße Umsetzung.
Einige Gesundheitsämter bieten auf dieser rechtlichen und fachlichen Basis bereits gezielt die HIV-PrEP-Beratung und -Verordnung an. Dies ist wichtig, denn: Gerade für Menschen ohne Zugang ins Krankenversicherungssystem ist der ÖGD der einzige belastbare Zugang zur HIV-PrEP.